Für viele eingefleischte Raubfischangler stellt das Frühjahr eine triste Zeit dar. Die Schonzeiten einiger beliebter Zielfische machen das Spinnfischen in unseren geliebten Seen leider unmöglich. Aber stimmt das eigentlich? Während vielerorts auf die bekannten und oftmals überlaufenen Forellenbäche ausgewichen wird, packen wir unsere Float Tubes zusammen und beangeln die beliebten Salmoniden in Seen. Wie das funktioniert, welche Taktik wir verfolgen und was man alles dafür braucht, wollen wir euch hier erklären.

Bachforelle im Drill
Action am Belly Boat – eine spannende Alternative in der Hechtschonzeit

Die Gewässerwahl

Nicht in jedem See gibt es sie, die Salmoniden. Die Auswahl der Gewässer ist daher nicht ganz einfach. Wir haben im Internet recherchiert und in Österreich den einen oder anderen Stausee mit klarem und kälterem Wasser gefunden.

Hier werden oft Salmoniden aller Art besetzt, oder sind bereits heimisch. Egal ob Bach- oder Regenbogenforelle, Seeforelle, oder Saibling. Alle haben eines gemeinsam: sie lieben zackig geführte Spinnköder.

Regenbogenforelle auf Shadow Rap
Neben dem klassischen Fliegenfischen ist oft das Spinnfischen mit Hardbaits unsere erste Wahl

Und damit kommt man zum nächsten wichtigen Punkt: nicht überall, wo Hecht und Zander heimisch sind, ist das Spinnfischen im Frühjahr erlaubt. Also gilt es unbedingt, einen Blick in die Fischereiordnung zu werfen, oder, wenn daraus nicht klar ersichtlich ist, was erlaubt und was verboten ist, dann einfach die Gewässerverwaltung oder den Verein zu fragen. Ist das passende Gewässer gefunden und darf auch noch mit dem Boot gefischt werden, kann es losgehen.

Im Belly Boat wird heiß gedrillt
Ist ein vielversprechendes Gewässer gefunden, kann einem erfolgreichen Angeltag nichts mehr im Weg stehen

Das Gerät

Für das Spinnfischen auf Salmoniden, ganz besonders vom Belly Boat aus, haben sich kurze Ruten zwischen 1,80m und 2,10m als besonders praktisch herausgestellt. Mit dem kurzen Handteil kann man im Sitzen besser hantieren und bei der flexiblen und unauffälligen Fischerei vom Belly aus, kommt es ohnehin nicht auf brachiale Wurfweiten an. Die Aktion sollte semiparabolisch sein, da man mit zu straffen Ruten sehr viele Fehlbisse bekommt. Bestückt werden diese Ruten mit Stationärrollen der 1000er und 2500er Größe, welche mit einem dünnen Geflecht bespult werden.

Oliver drillt die erste Forelle, durch die semiparabolische Aktion seiner Rute hat er deutlich weniger Aussteiger

Für den Liebhaber bietet sich natürlich auch eine Baitcast-Combo hervorragend an, für den Einstieg ins Baitcasten ist aber das Forellenfischen, ob der leichten Ködergewichte nicht ratsam. Als Hauptschnur verwenden wir am liebsten die Sufix Nanobraid, da es in den sehr feinen Durchmessern von 0,06 beziehungsweise 0,08mm eine vergleichsweise hohe Tragkraft hat und ganz hervorragend durch die kleinen Ringe flutscht. Als Vorfach verwenden wir knapp zwei Meter Sufix Super 21 Fluorocarbon in Stärken zwischen 0,20 und 0,25mm. Dieses Vorfach ist unverzichtbar, um die scheuen Fische überlisten zu können und die entsprechende Abriebfestigkeit gegen die scharfen Zähne großer Seeforellen entgegensetzen zu können. Am Ende des Vorfachs kommt noch ein kleiner VMC Snap in der Größe 00 oder 000 für den Schnellwechsel der Köder zum Einsatz.

Durch das dünne Fluorocarbonvorfach lassen sich auch die scheuen Forellen überlisten

Die Köder

Kleine Wobbler gibt es wie Sand am Meer. Dennoch haben sich über die Jahre manche als fängiger erwiesen als andere. Gleich vorweg sei gesagt, dass an vielen Forellengewässern die Verwendung von Drillingen oder Widerhaken verboten ist. Sollte dies der Fall sein, lässt sich jeder Hardbait mit den entsprechenden Einzelhaken wie zum Beispiel dem VMC 7237 oder 7237 Barbless umrüsten. Dies beeinträchtigt den Lauf der Wobbler nicht und gewährt einen schonenderen Umgang mit den Fischen.

Grundlegend kann man die Auswahl, der für Salmoniden in Frage kommenden Hardbaits recht einfach eingrenzen. Bei dickbauchigen Crankbaits kommen Modelle bis maximal 5cm Länge zum Einsatz. Alles darüber hinaus wird für die durchschnittlichen Mäuler der Forellen einfach zu voluminös. Unsere Lieblinge hierbei sind der Rapala Ultra Light Crank, der Ultra Light Shad, der BX Brat oder der DT4 und DT6. Soll es etwas tiefer sein, bietet sich noch der Shadow Rap Jack Deep mit seiner Tauchtiefe von ca. 3 Metern gut an. Weitere Lieblinge in unserer Köderbox sind sowohl der tief- als auch der flachlaufende Crank aus dem Gomoku Programm von Storm.

Kleine Köder werden gern genommen
Diese makellose Bachforelle konnte dem aggressiv angebotenen Rapala Ultra Light Crank nicht widerstehen

Die andere Köderkategorie bilden die sogenannten Twitchbaits. Im Vergleich zu den Cranks, welche einfach nur auf die gewünschte Distanz ausgeworfen und dann gleichmäßig eingeholt, oder eventuell mit kurzen Spinnstopps versehen werden, werden Twitchbaits über aggressive Schläge mit der Rute animiert.

Das hat den Vorteil, dass man, wenn man einen Schwarm oder einzelne Fische mit dem Crankbait gefunden und lokalisiert hat, einen besseren Reiz auf lethargische Fische ausüben kann und so den einen oder anderen Bonusfisch zum Anbiss überredet. Bei den Twitchbaits ist besonders der X-Rap in den Größen 04, 06 und 08 hervorzuheben. Des Weiteren ist der Shadow Rap 07 ein wahrer Fischmagnet. Für etwas größere Zielfische wie dicke Lachsforellen oder große Seeforellen kommt auch der Ripstop 09 mit seiner aggressiven Aktion oft zum Einsatz.

 

Tackle-Checkliste:

  • Kurze, nicht zu straffe Ruten
  • Rollen 1000 bis 2500er Größe
  • Geflecht zwischen 0,06 und 0,10mm
  • FluorocarbonVorfach der Stärken 0,20 bis 0,25mm
  • Kleine Snaps und Wirbel

 

Wenn es mal tiefer sein muss, setzt Clemens aber auch auf den schnell sinkenden Rapala X-Rap Countdown. Dort lauern oft die seltenen Seeforellen

Das Belly Boat

Belly Boats (Belly-Boote) oder Float Tubes sind Minischlauchboote mit nur einem Sitzplatz. Seitentaschen bieten Platz für das nötige Tackle und einen passenden Rutenhalter kann man sich an der gewünschten Seite selbst montieren.

Das Float Tube hat gegenüber der Fischerei vom Ufer eine Vielzahl an Vorteilen. Man kann schnell die Spots wechseln, ist sehr leise und unauffällig unterwegs und kommt an viele Stellen, die zu Fuß unerreichbar wären. Wir verwenden alle das FT 160 von Rapala. Das starke Schlauchboot Material gibt uns die nötige Sicherheit am Wasser, während die hohe und dadurch trockene Sitzposition eine gute Sicht ins Wasser ermöglicht. Belly Boats lassen sich mit den zumeist mitgelieferten Shoulderstraps wie ein großer Rucksack ans Wasser tragen und benötigen keinerlei Slippstellen. Der Antrieb erfolgt mittels Muskelkraft und Flossen. Durch die einfache Manövrierfähigkeit mit den Füßen hat man ständig beide Hände zum Fischen frei. Besonders im kalten Wasser der Salmonidengewässer ist eine Wathose unabdinglich. Am besten kombiniert man das Ganze, sofern es keine dicke Neoprenhose ist, noch mit Thermounterwäsche, auch wenn die Lufttemperatur schon die 20°C-Marke überschreitet. Das kalte Wasser geht an die Substanz und kühlt die Füße vergleichsweise schnell aus. Auch ein zweites Paar Socken kann hier oft nicht schaden, aber mit ein bis zwei Pausen lässt es sich trotzdem den ganzen Tag bequem fischen.

Bequem: Das Rapala FT160
Nah am Fisch – mit dem Belly Boat können wir Stellen erreichen, die vom Ufer nicht zugänglich sind

Checkliste fürs Belly Boat:

  • Flossen
  • Reparaturkit
  • Wathose
  • Wasserdichter Beutel/Tasche
  • Rutenablage
  • Luftpumpe
  • Tragetasche
  • Tragegurte
  • Ergänzend: Kamera-und Echolothalterung
  • Genug zu trinken

Das Fischen auf Salmoniden mit dem Belly Boat bietet einen großen Spannungsfaktor. Heiße Drills mit Sprungeinlagen kampfstarker Fische am leichten Gerät, das Fischen in wunderschöner Natur der voralpinen Stauseen und nicht zuletzt das Anfischen der Räuber auf Sicht machen einfach Spaß. Wir haben einen Weg gefunden, uns die Raubfischschonzeit zu überbrücken und dabei gleich eine neue Leidenschaft entdeckt.

 

– Andreas Wimmer, Clemens Frank, Oliver Frömel