Interessiert man sich für das moderne Raubfischangeln, kommt man an Begriffen wie „twitchen“ oder „jerken“ heute kaum mehr vorbei. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet das nichts anderes als „zucken“ oder „rucken“. Bei dieser Art der Köderpräsentation animiert man Hardbaits oder auch Softbaits mit kurzen und harten Schlägen über die Rute. Barsche und Hechte können selten bei dem Anblick eines im Zick-Zack-Kurs hin und her schießenden Twitchbait widerstehen. Bei einem aggressiven Führungsstiel im Sommer machen wir es den Räubern oft nicht einfach ihre vermeintliche Beute zu attackieren, kurze Spinnstopps zwischen den Schlägen sind somit Pflicht, um das Einsaugen des Köders zu ermöglichen. Jetzt bleibt noch die wichtige Frage offen, welche Arten und Formen von Kunstködern man am besten durchs Wasser tanzen lassen kann. Prinzipiell eignen sich aus der Gruppe der Hardbaits hierfür schlanke und längliche Köder mit kleiner Tauchschaufel, die beim einfachen Einkurbeln kaum ein eigenes Köderspiel besitzen. Auch Gummifische mit einem Pintail auf einem Offset-Haken aufgezogen lassen sich hervorragend twitchen. 

Nicht nur in den USA haben die vom Schwarzbarsch-Profi Mike Iaconelli gehypten Rapala Shadow Rap und Shadow Rap Shad für große Aufmerksamkeit gesorgt. Auf unseren heimischen Gewässern zählen sie zu unserer ersten Wahl, um im Frühling nach der Schonzeit Hechte und große Barsche zu überlisten. Auf den ersten Blick sehen sich die beiden Twitchbaits ähnlich, jedoch handelt es sich hier um zwei komplett verschiedene Köder mit jeweils unterschiedlichen speziellen Eigenschaften. Im folgenden Artikel werden wir genauer auf alle Köderdetails der Shadow Rap Serie, ihre Einsatzbereiche und das dafür benötigte Gerät eingehen.

Shadow Rap

Der Shadow Rap ist ein 11cm langer Twitchbait mit einem Gewicht von 13g. Die Tauchtiefe ist zwischen 0,6 – 1,2m angegeben. Für alle, die etwas tiefer müssen, gibt es auch eine Deep Version mit größerer Tauchschaufel, die sich dann auf bis zu 2,5m angeln lässt.

Das schlanke, abgeflachte Profil sowie die langsam sinkende Aktion sind wichtige Details, die diesen Kunstköder seine besonderen Eigenschaften verleihen. Aber warum bestückt man einen so kleinen Hardbait mit drei Drillingen? Was viele nicht wissen – der Shadow Rap wurde ursprünglich fürs Schwarzbarschangeln im kalten Wasser, speziell vor der Laichzeit, entwickelt. Die wechselwarmen Fische sind in dieser Phase durch die niedrige Wassertemperatur sehr träge und oft nicht dazu bereit, einen schnell geführten Kunstköder nachzujagen, da sie jetzt möglich wenig Energie verbrauchen wollen. Jetzt kann der Shadow Rap in Zeitlupe geführt seine vollen Stärken ausspielen. Ein bis zwei Twitches genügen, um die Aufmerksamkeit der Räuber zu bekommen. In den darauffolgenden Pausen, die bis zu mehrere Sekunden betragen können, sinkt der Köder in natürlicher Form sehr langsam Richtung Gewässergrund und gibt den Fischen genügend Zeit sich für die vermeintliche Beute zu entscheiden. Das erklärt jetzt jedoch noch nicht die drei Drillinge. Die Idee dahinter war die Verwertungsrate von sehr vorsichtig und träge beißenden Raubfischen im Kaltwasser deutlich zu erhöhen, was mit den dünndrahtigen, nadelscharfen Haken von VMC auch gut gelungen ist.

Shadow Rap Shad

Der 9cm lange und 12g schwere Shadow Rap Shad sieht dem Shadow Rap zwar sehr ähnlich, unterscheidet sich aber in seinen Eigenschaften grundlegend von seinem größeren Bruder. Die Körperform ist hochrückiger und bewirkt aufgrund des flachen Profils eine extrem starke Drehung um die eigene Achse. Das Aufblitzen der seitlichen Flanke des Kunstköders ist ein Schlüsselreiz, um neugierige Raubfische zum Biss zu verleiten und eines der Geheimnisse, das die Shadow Rap Familie so erfolgreich macht. Die kompaktere Köperform verbessert außerdem die Wurfeigenschaften. Der Shadow Rap Shad wurde speziell für den Einsatz im wärmeren Wasser nach der Laichzeit bzw. im Sommer entwickelt und wird am besten aggressiv und schnell durchs Wasser getwicht. Dabei entwickelt er den für ihn typischen Zick-Zack Lauf. Im Gegensatz zum langsam sinkenden Shadow Rap besitzt dieses Modell eine schwimmende Aktion und steuert in den Spinnstops leicht mit dem Kopf voran Richtung Oberfläche. In den warmen Sommermonaten mit viel Oberflächenaktivität wirkt dieses Verhalten sehr natürlich. Den Shadow Rap Shad gibt es ebenfalls in einer flachlaufenden Version mit einer Tauchtiefe von 0,9-1,2m und der Deep Variante mit einer etwas größeren Tauchtiefe von 1,5-1,8m

Verwendetes Gerät

Generell sollte man für das Angeln mit Twitchbaits eine sehr kurze, zwischen 1,70-2,00m lange Rute verwenden. Damit die Schläge auch wirklich am Kunstköder ankommen, sollte die Rute straff und knackig sein. Weiche Ruten mit einem hohen Glasfaseranteil sind fürs Crankbait angeln gemacht aber für diese Art von Fischerei fehl am Platz. Wichtig ist auch noch das Handteil, welches ebenfalls kurz ausfallen sollte, um den ganzen Tag bequem und ermüdungsfrei twitchen zu können. Ob man eine Stationär-, oder eine oft bei Anfängern gefürchtete Baitcastcombo fischt, bleibt jedem selbst überlassen. Es hat beides seine Vor- und Nachteile und oft muss man hier auch je nach Situation am Wasser entscheiden und abwägen.

Für den Shadow Rap und Shadow Rap Shad empfehle ich Ruten im Wurfgewichtsbereich zwischen 20g und 30g. Bei den Deep-Modellen sollte man sich auf jeden Fall im oberen Bereich bewegen, da die größere Tauchschaufel auch mehr Widerstand im Wasser erzeugt.

 

 

– Andreas Wimmer